Anästhesiologie & Intensivmedizin
Organtransplantation: Diagnose
Organtransplantation
Die Organtransplantation ist heute eine etablierte Form der Behandlung schwerer, nicht reversibler Störungen von Organfunktionen. Sie ist dem experimentellen Stadium entwachsen und hat aufgrund neuerer immunsuppressiver Regime und entsprechend ausgerüsteter Kliniken mit guten Langzeitergebnissen aufzuwarten.
Allgemeine Risiken der Organtransplantation
Neben der Gefahr der Abstoßung
- ist eine Aktivierung oder Übertragung von Viruserkrankungen durch das Transplantat möglich (z.B. Zytomegalie, Hepatitis B und C, HIV)
- können Infektionen durch Immunsuppression erleichtert werden
- kann die Entstehung von Malignomen begünstigt werden
- wird durch dauernde Steroidgaben die altersbedingte Osteoporose beschleunigt
Nierentransplantation
Bereits 1991 wurden in Österreich 398 Nierentransplantationen durchgeführt; dies entspricht 53 Transplantationen pro Million Einwohner und damit liegt Österreich weltweit noch immer an der Spitze.
Die 1-Jahres-Transplantat-Überlebensrate liegt bei Leichennieren bei 85%, bei Lebendspenderorganen weit darüber.
Als Empfänger kommen alle terminal niereninsuffizienten Patienten bis 70 Jahre ohne Kontraindikationen in Frage.
Kontraindikationen
Maligne Erkrankungen, Missbildungen im Bereich der ableitenden Harnwege, floride Infektionen (z.B. Tbc), schwere irreparable koronare Herzerkrankungen, schwere pulmonale oder kardiale Insuffizienzen
Nieren- und Pankreastransplantationen
1991 wurden in Österreich nur 8 derartige kombinierte Transplantationen durchgeführt. Die Erfolgsquote liegt nach einem Jahr je nach Zentrum und technischem Vorgehen zwischen 50 und 85%. Die maximale Organkonservierungsdauer beträgt 6 Stunden (kalte Ischämiezeit). Die Inselzelltransplantation befindet sich noch in einem experimentellen Stadium.
Indikation
Typ-1-Diabetiker mit terminaler Niereninsuffizienz (bis zu 50 Jahren)
Kontraindikationen
Schwere Veränderungen der Hirn- und der Koronargefäße und Kontraindikationen der Nierentransplantation.
Es gibt Hinweise, dass sich bei guter Transplantatfunktion die diabetischen Spätkomplikationen (z.B. an Auge und Nerven) teilweise zurückbilden können.
Lebertransplantation
1991 wurden in Österreich 59 Lebertransplantationen durchgeführt. Sie sind die aufwendigsten und technisch schwierigsten Organtransplantationen.
Indikation
Patienten bis zu 60 Jahren, die an einer posthepatischen Leberzirrhose im Endstadium, einem akuten Leberversagen, primären Lebertumoren (Resektion ist der Transplantation vorzuziehen), Stoffwechselerkrankungen der Leber, einem Karzinoidsyndrom mit Lebermetastasen oder primär biliären Zirrhosen leiden. Wichtig ist der Zeitpunkt der Transplantation, da die Ergebnisse bei elektiver Transplantation am besten sind: Hier beträgt die Einjahresüberlebensrate 80%, bei Notfalltransplantationen 40%. Der Patient soll nicht bettlägerig, keinesfalls komatös, nicht kachektisch oder bereits mit einem hepatorenalen Syndrom behaftet sein. Für die Wahl des richtigen Zeitpunktes ist die Verlaufsbeobachtung wichtig, deshalb soll der Patient noch in gutem Allgemeinzustand dem Transplantationszentrum vorgestellt werden. Eine alkoholische Leberzirrhose ist eine relative Indikation (nur nach stabiler Abstinenz).
Herztransplantation
1991 wurden in Österreich 61 Herzen transplantiert. Die Organkonservierungsdauer beträgt maximal 4 Stunden. Die Ergebnisse der Herztransplantation wurden v.a. durch präzisere Indikationsstellung und bessere Immunsuppression ermöglicht. 90% der für die Herztransplantation akzeptierten Patienten sterben innerhalb von 3 Monaten, wenn kein Transplantat zur Verfügung steht. Die Einjahresüberlebensquote beträgt nach Herztransplantation ca. 85%, nach 5 Jahren sind 70% und nach 10 Jahren 50% noch am Leben.
Indikation
Intraktable Herzinsuffizienz durch Myokardiopathien und koronare Herzerkrankung bei Patienten unter 65 Jahren. Als Zwischenlösung bis zur Transplantation wird derzeit das Kunstherz erprobt.
Kontraindikationen
Kardiale Kachexie, pulmonale Hypertonie, Infektionen, neoplastische Erkrankungen, Blutgruppenunverträglichkeit
Lungentransplantation
Sie befindet sich noch im Entwicklungsstadium, da keine gesicherten Konservierungsmethoden für die Lunge und keine guten Parameter für die Abstoßungsreaktionen zur Verfügung stehen. Altersgrenze für die Patienten 55–60 Jahre. Überlebensrate 70% nach 2 Jahren und immerhin noch 25% nach 5 Jahren.
Knochenmarktransplantation (KMT)
Neben allogenem Knochenmark wird autologes Knochenmark verwendet, das in einer durch zytostatische Behandlung induzierten Remission entnommen wurde; teilweise nach zusätzlicher Behandlung des Autotransplantats zur Entfernung residueller neoplastischer Zellen.
Aplastische Anämien, angeborene Stoffwechselerkrankungen, solide Tumoren, chronisch-myeloische Leukämie, auch maligne Lymphome, akute Leukämie.
Bei ausgewählten Patienten mit akuter Leukämie, chronisch-myeloischer Leukämie und aplastischer Anämie scheint die Knochenmarktransplantation (KMT) anderen Therapieverfahren bezüglich Überlebenszeit und Rate der Langzeitremissionen überlegen. Bei Kindern mit schweren kombinierten Immundefekten gibt es derzeit keine therapeutischen Alternativen. Ein großes Problem in der Knochenmarktransplantation ist die Verhinderung der Graft-Versus-Host-Reaktion, einer Abstoßungsreaktion des Transplantates. Die Erfolgsquoten sind je nach Indikation unterschiedlich. Bei akuten Leukämien können bei KMT nach Erzielung der ersten Vollremission 50% der Patienten über 2 Jahre geheilt werden. Längere Erfahrungen liegen bis jetzt noch nicht vor. Bei der aplastischen Anämie kann man in 2/3 der Fälle ein langfristiges Überleben erwarten.






